"Als die Götter noch jung waren" Namenkundliche Untersuchungen zur Nibelungensage

Diese Seite beschäftigt sich mit einem legitimen - und nicht etwa anrüchigen - Anliegen. Prof. Joachim Heinzle spricht in seinem Buch Die Nibelungen – Lied und Sage, Darmstadt 2005 S. 27, folgenden Sachverhalt aus: In der Forschung konkurrieren von jeher zwei Modelle der Herleitung von Heldensagen. Nach dem einen Modell haben sich die Sagen aus dem Göttermythos entwickelt, nach dem anderen gehen sie auf historische Ereignisse zurück. Was die germanischen Heldensagen – und damit die Nibelungensage – betrifft, hat sich heute das zweite Modell weitgehend durchgesetzt. Es ist nicht gelungen, überzeugende Indizien für die Herkunft der Überlieferung aus dem Mythos beizubringen. Er führt weiter aus, dass es in nordischen Mythen Stellen gebe, die sekundär mythisiert seien. Dem stimme ich ausdrücklich zu, bestreite aber, dass es nie einen originären Mythos gegeben habe.
"Die historischen Bezüge sind nicht zu übersehen", spricht Joachim Heinzle weiter, aber diese können nach Hermann Usener (Götternamen, Bonn 1895) durchaus sekundär eingefügt sein.

Vor etwa 20 Jahren stieß ich durch Zufall auf Heinz Ritter-Schaumburgs Buch „Die Nibelungen zogen nordwärts“. Zuerst war ich außerordentlich fasziniert von diesem Buch, schilderte Ritter doch die Nibelungensage als Familiensage eine Reihe rheinischer Kleinkönige – für Rheinländer eine verführerische Vorstellung. Doch später kamen mir die ersten Bedenken. Für einen geschichtlich Denkenden ist es eine Unvereinbarkeit, im Westen Deutschlands noch keltische Elemente und im Osten bereits slawische Protagonisten anzunehmen, was aber unvermeidlich wird, wenn man – wie Ritter es tut – eine Einheitlichkeit der Sage annimmt. Dies machen heute auch seine lebhaftesten Verehrer zwar nicht mehr, aber einen Grund aus der von mir beschriebenen mangelnden Geschichtlichkeit Konsequenzen zu ziehen, finden die meisten von ihnen nicht. Da ich – wie in der Folge noch gesehen werden wird, ebenfalls nicht dazu neige, der Sage Geschichtlichkeit zuzusprechen, wollte ich in einem ersten Anlauf lediglich überprüfen, ob man wenigstens der von Ritter postulierten „nördlichen“ Herkunft der Sage nachspüren und geriet dabei an das unleugbare Potential der Namensforschung, hatte ich doch schon bei Gottschald vor langer Zeit gelesen, dass jeder, der sich mit „alten Zeiten“ beschäftigen wolle, sich mit Namen beschäftigen müsse. Dies versäumte ich nunmehr auf einer breiteren Basis als auf der der Ortsnamensforschung auch nicht mehr und kam so zu – auch für mich – überraschenden Resultaten:
Das völlig unwiderlegbare Resultat meiner Nachforschungen, die ich in dem Buch mit dem Titel "Als die Götter noch jung waren", von welchem unter der url: http://www.rhombos.de/onlinesh/jjeo/produkte/niebe.htm eine Leseprobe als *.pdf-Datei bereit steht, präsentiere, ist die große Ähnlichkeit in Attributen von Helden der Sagen, die ich vereinfacht Nibelungensagen nennen will, und einigen germanischen Göttern. Die Beziehungen zwischen der germanischen Götterdichtung und der germanischen Heldendichtung sind weitaus vielfältiger als ich bisher gedacht hatte. Spuren finden sich sowohl im Nibelungenlied als auch in der Thidrekssaga und im Waltharius, obwohl kein einziger (bekannter) Name der alten Götter in den aufgeführten Sagen genannt ist. Vereinfacht könnte man sagen, dass die germanischen Götter in den Liedern nicht genannt werden, weil die Sage von den Göttern selbst handelt. Siegfried ist die Inkarnation oder Fleischwerdung des Frô/Freyr/Ing, möglicherweise als letzte Inkarnation dieses Gottes (man könnte ihn auch eine „menschliche Hypostase“ nennen), Hagen ist Odin/Wotan, möglicherweise Grund und Ursache des Aufstiegs dieses Gottes, Dietrich von Bern ist Sohn oder Enkel Thors (in der Thidrekssaga wird sein Großvater Samson genannt) mit der Bartlosigkeit, welche von frühen Darstellungen des griechischen Zeus (und von Darstellungen Apollos) berichtet wird, also ist Dietrich von Bern eine Hypostase Thors/Donars. Um zu erklären, warum der Großvater Thidreks in der Thidrekssaga Samson heißt, stelle ich immer zunächst folgende Frage: "Wer ist Samson in der Bibel?" Wenn ich merke, dass mein Gegenüber nicht bibelfest ist, frage ich weiter: "Ist das nicht der biblische Kraftprotz?" Wenn ich ein Aufleuchten in den Augen sehe, frage ich ganz schnell: "Wer ist der Kraftprotz unter den germanischen Göttern?" Meistens erhalte ich dann von Leuten, die in germanischer Mythologie bewandert sind, die richtige Antwort.

Brunhild endlich ist die Geliebte des germanischen Gottes Frô oder seiner Inkarnation. In ihrem Wesen ähnelt sie der Potnia Deron der frühen Griechen, der Herrin der Tiere und besonders der Pferde. Thidrekssaga und Nibelungenlied sowie deren Vorlagen sind die möglicherweise kümmerlichen Reste einer ‘Schlüsseldichtung’, die von einem von der Götterdichtung beförderten Streit (um die „Vorherrschaft“) unter den germanischen Götterfamilien handelt.


Als Beispiel für die Seriösität des Unternehmens habe ich hier lediglich den Text eines von mir verfassten Exzerpts über verschiedene Namen wiederzugeben:

Der Name Siegfried

Vor einigen Jahren erschien Jakob Grimms Deutsche Mythologie in einer Neuauflage. Ich las dieses Buch in der Absicht durch, etwas zu meinem Thema zu finden. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich anfangs zu hoffen gewagt hatte, dieser Kelch möge an mir vorübergehen aber dann stellte sich heraus, dass ich an einer Lektüre nicht vorbei kam. Ich stieß dort tatsächlich auf einige Zeilen, welche mich in Bezug auf die Bedeutung des Namens 'Siegfried' stutzig machten. Grimm äußerte sich für mich überraschend über die Stelle der Vilk. saga cap. 319: hans horund var svâ hart sem sigg villigaltar, die Ansicht: „vielleicht bezeichnet sigg die borstige haut“? Hatte ich damit den richtigen Schlüssel schon gefunden? Wohl kaum! Für sich alleine reichte dies noch nicht aus. Andererseits hatte sich Roswitha Wisniewski mit den Namensformen der Thidrekssaga beschäftigt und dort mehrere abweichende Formen des Namens Siegfried festgestellt: „Diese Form Sigisfrod; ist nicht so einfach wie die obenerwähnte Form Sigfrœdr als nordisiertes Sigfred zu erklären. Zumindest müßte sie auf ein dt. Sigisfred zurückgehen. Der Stamm Sigis- ist aber nur selten in Namensformen zu finden und fast nur im ostgerm Raum. Gerade die Form Sigisfrid ist jedoch für das 11. Jh. für den ndd. Raum bezeugt.

Wir würden also ein ndd. Sigisfred als Vorstufe der Form Sigisfrod ansetzen können. Aber wie ist das -o- in -frod zu erklären? Mb schreibt zwar o statt (Zeichen wird nicht richtig wieder-gegeben);, aber ø ist immer durch œ bezeichnet. Sollte also eine Verschreibung vorliegen (o statt œ)?“
Man benötigt nach meiner Ansicht nicht die Annahme einer Verschreibung. Aller Wahrscheinlichkeit nach bedeutet Siegfried nichts anderes als etwa Sigg-frodi, was ungefähr auf ein „borstig durch [die Gnade des Gottes] Frô“ herausliefe. Nun war dem germanischen Gott Frô, dessen Funktionen später zum Teil von Odin/Wodan [Wotan] übernommen wurden, der Eber heilig, und Eber wurden in keltischen Kleinplastiken mit charakteristischem Borstenmuster auf dem Rücken dargestellt. Ich hatte schon die Hoffnung aufgegeben, auch germanische Kleinplastiken kennen zu lernen, doch in der deutschen Erde ruhten tatsächlich ähnliche Stücke. Der anlässlich der Ausstellung über die Alemannen erschienene Katalog zeigt ein solches Stück, einen Eber aus Ton, welcher etwas an unsere Sparschweine erinnerte, wäre da nicht diese charakteristische Borstenleiste auf dessen Rücken. Auch in der Nähe von Soest hat man unlängst eine kleine Eberplastik gefunden, welcher allerdings die Borsten augenscheinlich abgefeilt worden sind. Waren diese beschädigt? Dass die Eberplastik ganz ähnlich aussieht wie die bei Orange im heutigen Frankreich gefundene, beweist noch nicht unmittelbar ihren keltischen Ursprung. Es könnte auch eine Gussform in die Nähe von Soest gelangt sein und dort von germanischer Hand gegossen worden sein. Zeitlich eingeordnet werden alle Funde in Herwitte in die vorrömische Eisenzeit.

Grimm hat noch einen anderen Personennamen zu erwähnen und zwar Epurhelm, Eparhelm, den er mit Frôhelm vergleicht, worin das d auch in der Tat nicht auftaucht, während die moderne Form ‘Friedhelm’ das d enthält. Aber was soll Friedhelm bedeuten? Was dieser Name heute bedeuten sollte, wäre blühender Blödsinn. Hält ein ‘Friedhelm’ den Kopf etwa zu immer aufs Neue herabprasselnden Schwerthieben hin? Eine reale Bedeutung gewinnt der Name nur, wenn er ursprünglich Frôhelm (ae. Freadhelm) geheißen hat. Zu erinnern sei auch noch an den Namen Tyrshelm, der ebenfalls von J. Grimm ) erwähnt wird: "Dem kriegsgotte gebührt außer dem schwerte ein helm, wie schon der pflanzenname Martis galea Tyrshialm (s. 165) bezeugt." Anscheinend gebührte also mehreren alten Göttern ein Helm.

Über den Namen und die Toponymie des Segardr der Thidrekssaga

Ja dieses Segardr! Brunhilds ‘Burg’ ist wahrlich nicht leicht zu finden. Ich suchte es von vorneherein südlich des Harzes, im Hinblick darauf, dass Watterich hier die südlichen Hermunduren-Sueven (s.o.) lokalisiert. Heinz Ritter-Schaumburg lokalisiert es zwar ganz in der Nähe, aber fälschlich nördlich des Harzes und identifiziert es anders, mit einem Namen, der aber nicht so ‘spricht’, wie der, welchen ich zu identifizieren wage. Ritter behauptet, dass Sægard nach der Ths. nördlich des Harzes bei Heimburg läge. Die Fußnote zeigt, dass ich ausnahmsweise einer durch die Handschriften A und B nahegelegten Lokalisierung zuneige. Vor dem Nordgebirge und dem südlichen Land bedeutet keinesfalls, dass Segard nur nördlich des Harzes aufzufinden sei. Der Harz als 'nördlichstes' Mittelgebirge ist das ‘Nordgebirge’ und wenn Segard ‘davor’ liegt, kann es auch südlich des Harzes liegen. Von erheblicher Bedeutung ist auch, dass Seeburg (am Seeburger See) in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem Ort namens Ebergötzen (a.1022 Evergoteshusen) liegt.

Zur gleichen Zeit las ich gerade in einem Werk von Helmut Schröcke eine Beschreibung der Verwandtschaft des altnordischen Wortes 'gardr', welches sich durch die den slavischen Sprachen eigentümliche Metathese in eben diesen zu 'grad' entwickelt habe. Im Deutschen werde dies häufig durch ‘burg’ wiedergegeben. Man nenne ja Petrograd im Deutschen Petersburg usw.! Die Stelle lauet: "Das beweisen unter anderem viele tausende altnordische Wörter in der slowenischen Sprache, deren Endsilben aber meistens verstümmelt sind oder sich den sprachlichen Eigentümlichkeiten des osteuropäischen Sprachraumes angepaßt haben, so z.B. die Wörter .... torg trg (Markt), vingaard vinograd (Weingarten) usw. Die Wurzeln vieler slowenischer Wörter nordischen Ursprungs sind auch durch Metathese verändert, z.B. melk mleko (Milch), berg breg (Berg), valdari vladar (Herrscher), mylnar mlinar (Müller)."

Hier ist nichts von Petrograd, Petersburg, dennoch stimmen die Schlussfolgerungen zweifelsohne. Es ist also kein Wunder, dass ich sofort intuitiv erkannte, dass dieses Segard der Thidrekssaga im Deutschen Seeburg heißen müsse.

Paff äußert sich zu diesem Problem ebenfalls: "Under Sváva I discuss the relationship between the two (Sigurðr and Brynnhilldr) and the question of their localization in Sváva-land in þiðriks saga. In ON Segarðr could mean 'fortress city by the sea', whereas in MHG it would be more likely to mean 'enclosure by a lake'."

Eigene Übersetzung:
Unter Sváva diskutiere ich die Beziehung der beiden (Siegfried und Brunhild) und die Frage ihrer Lokalisierung in ‘Suáva-land’ in der Thidrekssaga. Im Altnordischen kann es ‘Befestigte Stadt an der See’ bedeuten, während es im Mittelhochdeutschen eher ‘Umzäunung an einem (Binnen)see’ lauten könnte.

Paff hat die richtige Idee bis auf den zwanghaft süddeutschen Begriff „Schwaben“. Im heutigen Schwaben aber haben die Sueven nie gelebt. Sie sind dort wenn überhaupt höchstens noch als Alemannen fassbar.

Der Beiname Hagens ein Ortsname?

Der tabellarische Vergleich der Schreibweisen von kelt. Truncinas in romanischer Form und germ. Form, die zu nndl. 'Drongen' geführt hat und die beide mit Schreibweisen des Beinamens Hagens in den Handschriften A, B und C korrespondieren, ließ sich hier nur schlecht realisieren. Nur soviel sei gesagt: Die Fassung des Namens in Handschrift A (Tronyn, Tronie, Trony) korrespondiert überdeutlich mit Truncinas (frz. Tronchiennes) während das 'Tronege' in Handschrift C/(B) gut durch das Neuniederländische 'Drongen' (Ortsteil des heutigen Gent) wiedergegeben wird.

Es ist an anderer Stelle wahrscheinlich gemacht worden, dass sich Hagens Beiname auf einen realen Ortsnamen bezieht und nicht auf einen sagenhaften, wie den Trojas.
Damit aber nicht genug. In unmittelbarer Nähe zu Drongen/Tronege liegen Orts- oder Geländebezeichnungen wie Wulpe (weiter entfernt Wulpen) und eine Moere (Moor), sogar ein „Tenen“ existiert dort, in der Kudrunsage aus Gründen des Endreims zu Tenen, Teneriche, Tenemarke, Tenelande variiert.
Was soll das heißen? Die angeblich verschiedenen Hagen (irischer König und Vasall der 'BURGUNDER') der zwei deutschen Sagenkreise (Kudrun- und Nibelungenlied) finden sich traut vereint in der Toponymie wieder. Als Kind habe ich den Hagen des Kudrunliedes für eine jugendliche Ausgabe von dem Hagen des Nibelungenliedes gehalten. Sollte mich das Gefühl meiner Kindheit nicht getrogen haben?

Das eigentliche Wesen des Dietrich von Bern

Wer aber nun - um alles in der Welt - ist Dietrich von Bern? Dazu muss man zuerst eine ganz andere Frage stellen:

Wer ist in der Thidrekssaga Dietrichs Großvater? Der biblische Name Samson in der Ths. verrät den Kraftprotz, der Thor in der germanischen Göttersage in der Tat ja auch ist. Die schiere Kraft Thors ist sein Charakteristikum. Allerdings beweist die Wahl des Namens auch, dass der Autor der hypothetischen Vorlage der Thidrekssaga, ganz genau über die Götternatur des (Groß-)Vaters bescheid wusste. Hätte er nicht gewusst, dass Thor der (Groß-)Vater gewesen war, so hätte er keinesfalls einen derart sprechenden Namen gewählt. Ihm den Namen Thor zu lassen, verbot sich, da man jeden Bezug zu den germanischen Göttern vermeiden wollte. Ihm den Namen Herkules zu geben verbot sich ebenfalls, da dies zu offensichtlich gewesen wäre; schließlich war Thor in der interpretatio romana ja schon mit Herkules identisch. Dies zu verschleiern, ist den Autoren der Thidrekssaga zu einem erheblichen Teil gelungen. Nur die uralt erscheinende Bartlosigkeit des alten Donnerers [Zeus], und natürlich die des Apollon blieb auch dem Enkel oder Sohn (der Hypostase des Donar) erhalten. Man sieht wie vorsichtig man mit Genealogien von Göttern sein muss.

Es ist also klar: Die Verteufelung Dietrichs rührt nicht von seinem Arianertum her, sondern von seiner Abstammung vom germanischen Gott Thor/Donar. Ob er nun Sohn oder Enkel Thors ist, ist nicht so entscheidend. Der Vorwurf Hagens kann aber auch so nur sehr später Zeit entstammen, als man jemandem die Abstammung von einem germanischen Gott vorwerfen konnte. Jetzt erst klärt sich die Lage. Dietrich wirft Hagen die Abstammung von einem keltischen Gott vor und Hagen tut desgleichen, indem er ihm die Abstammung von (damals noch) Donar zum Vorwurf macht.
Die Götternatur verschiedener (oder aller [?]) Personen der Handlung war es, die den frühesten Verfasser oder Interpreten dazu zwang, Tarnnamen zu erfinden, war doch die Beschäftigung mit heidnischen Themen von der Kirche strengstens verboten. Da die "Story" aber so gut war, konnte man auf sie nicht verzichten. Das bedingte geradezu konspirative Tugenden im Verlauf des Verschriftlichungsprozesses.

Die aufgeführten Ausschnitte umfassen nur einen geringen Teil der hier angeschnittenen Themen des Buches. Es beschäftigt sich auch eingehend mit dem Eberkult des Frô, dem Gebrauch wahrscheinlich ursprünglich im Kultus des Frô benutzter Drogen, nämlich des Fliegenpilzes und einer zwar bis jetzt endlichen, doch nichts desto weniger äußerst unterhaltsamen Kette von Missverständnissen, der sowohl die Verfasser der Thidrekssaga als auch die des Nibelungenliedes aller Wahrscheinlichkeit nach unterlegen sind. Man sage nicht es habe keine Gelegenheit für Missverständnisse gegeben. Da, wo Sprache betroffen ist, hat es immer schon Anlässe für Missverständnisse gegeben. An dieser Stelle möchte ich nur den alten Witz nicht unerzählt lassen, den ich mir erlaubt habe, ins katholische Milieu zu verlegen:

Ein Pfarrer besucht seinen Amtskollegen. Nach einem ausgiebigen Abendessen sucht er das Bad auf und kann sich nach dem Besuch des Bades gar nicht beruhigen ob des Lobes über die Haushälterin seines Kollegen: „Nein, wie aufmerksam. Alle Handtücher sind mit Stickereien gekennzeichnet, damit es auch ja zu keinen Verwechslungen komm!“ „Ja“, entgegnet der Amtsbruder: „A für Antlitz und G für Gesäß!“

Bilder im Zusammenhang:

Das Bild 1 zeigt eine männliche, an Ichthyosis vulgaris (x-chromosomal rezessiv) erkrankte Person. Es wird immer schwieriger solche Bilder zu finden, weil die meisten von einer solchen Krankheit betroffenen Personen sich in Behandlung befinden und eine Behandlung das äußere Erscheinungsbild beträchtlich verändert. Die Schuppung geht in der Regel zurück bzw. wird aufgelöst.

Die Bilder 3 - 6 und 9 zeigen Plastiken, die im
Zusammenhang mit dem keltischen Eberkult stehen. Der Eber war das 'heilige Tier' des germanischen Gottes Frô (altnordisch Freyr). Bild 2 zeigt eine germanische Eberplastik, ein Tongefäß aus Greußen (Kreis Sondershausen). Bei allen Eberplastiken kann man den charakteristischen Borstenkamm auf dem Rücken erkennen. Nur bei der in der Nähe von Soest (Erwitte) gefundenen Eberplastik (Bild 5). Ob dieser Eber aus dem Land der Kelten ins Germanien der vorrömischen Eisenzeit gelangt ist, dort die Borsten (s. Bild 6) beschädigt und anschließend - des besseren Gesamteindrucks wegen - abgefeilt wurden, oder ob es sich um ein unvollkommeneres Exemplar eines germanischen Bronzegießers handelt, der es in möglicherweise keltischer Form gegossen hat,
kann nicht mit Sicherheit gesagt werden. Der Fund beweist aber, dass ganz ähnliche Bronzen
wie in der Nähe von Orleans auch in der Nähe von Soest eine gewisse Verehrung genossen.
Es ist wahrscheinlich, dass die Verehrer Frô's das Krankheitsbild mit einer Abstammung vom Eber des Frô in Zusammenhang brachten.

Bild 8 zeigt die Toxine des Fliegenpilzes, die ganz gewiss beim Kult des Frô eine Rolle spielten.

Bild 7, 11 und 12 zeigen je ein Abbild des Freyr, wie er uns in nordischer Vorstellung als kleiner Bronzeguss überliefert ist. Siehe auch die Site http://www.ratatoskr.de/Gergod.htm. Die Tatsache, dass der Künstler hier die 'Gusshaut' auch an der Brust, am Bauch und an den Armen stehen gelassen hat, verdeutlicht, dass eine 'Hautveränderung' zum überlieferten Bild Freyrs gehört hat.
Möglicherweise gehörte eine solche Hautveränderung auch zum Bild Freyjas, da sie für R. M. Meyer: Altgermanische Religionsgeschichte, S. 212-224 (hier Seite 212) 'unerklärliche' Beinamen aufweist, z. B. 'Hörn'. und Gefn. Wenn wir annehmen, dass 'Hörn' einfach 'die Gehörnte' heißt, haben wir einen zweiten Beleg für die Vorstellungen, die die Germanen von den Göttern hatten. Im Falle von Freyr und Freyja gehörte die 'gehörnte Haut' dazu. (Gefn heißt meiner Meinung nach einfach 'die Freigebige'.)

Zu Bild 10:
Vor einigen Wochen wurde vor laufender Kamera des MDR das nahezu einzige erhaltene Bruchstück einer männlichen Tonfigur ausgegraben - der "Adonis von Zschernitz". Der Torso weist ein übernormal großes Glied auf, was ihn als Überbleibsel der Statue eines Fruchtbarkeitsgottes ausweist. Die Archäologen haben diesen Torso quasi vor laufender Kamera "Adonis von Zschernitz" getauft, um den Charakter als Fruchtbarkeisgott anzudeuten. Was heißt aber 'Adonis'? Adonai heißt hebr. 'Herr'. Was heißt aber 'Frô'? Es wird die Besucher dieser Seite nicht wirklich wundern, dass 'Frô' ebenfalls 'Herr' bedeutet. Nun liegen zwischen dem Fund des Adonis und dem von mir vermuteten Kult des Frô zeitlich gesehen 4500 Jahre, aber in Kilometern ist der Fundort Zschernitz nur etwa 20 km vom von mir vermuteten Kultzentrum Sandershausen entfernt. Ich hatte zwar zunächst Sandau favorisiert, kam aber später zu der Erkenntnis, dass dies zu weit im Norden liegt.

Zu Bild 19: Dieses Bild zeigt einen keltischen Helm aus dem 5. Jh. v. Chr.! Der Fundzusammenhang scheint aber etwas jünger zu sein. Es fällt gewiss auf, dass der Helm dem Helm der verschiedenen Abbildungen des Freyr ähnelt. Sollte Freyr einen keltischen Helm getragen haben?

Zu Bild 20: Dieses Bild zeigt ebenfalls Freyr. Man beachte den charakteristischen Helm. Was den Guss so interessant macht ist, dass der unbekannte Künstler aus dem Schweden des 11. Jh. die Gusshaut an Armen und Bauch hat stehen lassen. Das machte man zwar bei anderen Figürchen anderer Götter auch, aber nur hinten am Rücken, einer Stelle, die weniger Aufmerksamkeit genoss. Könnte der Künstler damit Freyrs besondere Haut angedeutet haben? Wenn ja, dann wäre dies eine der ersten Darstellungen der Ausformungen einer Erbkrankheit in der Kunst und ganz gewiss die erste einer Ichthyose.

Sandershausen könnte das 'Santen' des Nibelungenliedes sein, welches wegen einiger Widersprüchlichkeiten in diesem Lied niemals 'Xanten' gewesen sein kann. In der Thidrekssaga kommt der ´Name zwar nicht vor - auch nicht ansatzweise - aber wer sagt denn, dass immer die Ths. die zuverlässigere Quelle sein muss. Wenn Sandershausen der Ort war, an welchem Kriemhild und Siegfried 'residierten', dann konnte Gunther in der Tat von einer 'zu weiten Reise' sprechen, als Brunhild ihn aufforderte, mal wieder die Verwandten einzuladen. In dieser witzigen Form - finde ich - fällt einem der dem Nibelungenlied innewohnende toponymische Widerspruch besonders gut auf. Wenn Xanten und Worms am Rhein lagen, so benutzte man zum gegenseitigen Besuch ein Schiff. Lag ein Ort aber wirklich weit entfernt, z.B. an den Gestaden der Elbe, so bestand eine gewisse Berechtigung von einer 'zu weiten Reise' zu sprechen.

Meine neueste Entdeckung betrifft Hagen, von dem die Sagenkundigen wissen werden, dass er sich selbst in der Thidrekssaga ‘Hagen, Aldrians Sohn’ nennt. Zwar wird sein Vater in der schwedischen Fassung der Ths. Irian genannt, aber dies lassen wir einmal beiseite.

Nach dem Endkampfe Hagens (Högnis) mit Dietrich (Thidrek) ist Hagen so schwer verwundet, dass er das Sterben nahe sieht. Er bittet Dietrich um die Gunst, die Nacht mit einer Frau zu verbringen. Er ist überzeugt einen Sohn mit der Frau zu zeugen, die Dietrich ihm zugeführt hat und weist sie nach der Nacht an, den zu erwartenden Sohn ‘ALDRIAN’ zu nennen. Außerdem übergibt er ihr am Morgen den Schlüssel zu Siegfrieds (Sigurds) Schatzkeller.

Leser meines Buches werden wissen, dass ich die Helden der Heldenlieder mit den germanischen Göttern erfolgreich in Verbindung zu bringen pflege, meist allein durch Interpretation von Namen. Ich ging also mit dem Namen Aldrian monatelang schwanger. Eines Tages geriet ich an Förstemanns Altdeutsches Personennamenbuch. Dort stieß ich auf drei Namen:
Baldroh
Baldrand
Baldrada und ergänzte im Geiste
Baldrian!

Hatte der schelmische mittelalterliche Mönch, welcher möglicherweise der erste Verschriftlicher der späteren Thidrekssaga war, etwa die Chuzpe besessen, das B wegzulassen? Die weiteren Schritte waren nicht schwer durchzuführen. Ich gab die Stichworte ‘Baldrian’ und ‘Gott’ in Google ein und erhielt als eine der ersten Dateien eine, in welcher am Anfang folgender Satz stand: „Der Name des Krautes stammt vom germanischen Gott Baldur…..“. Von da an war es zu seiner Mutter auch nicht weit. Frigg ist die ‘Schlüsselbewahrerin’, die in Deutschland Holda, Hulda oder Berchta genannt wurde. Vielleicht trägt sie, weil vielnamig, in der Ths. keinen Namen. Also sind jetzt vier Götter und eine Göttin als handelnde Personen der Sage identifiziert.

Ich führe sie hier nochmals auf: Siegfried als Inkarnation des Frô/Freyr/Ing, Dietrich als Hypostase Donars nämlich als jugendlicher Sonnengott in der Art eine Jupiter veiovis oder Apollon, Hagen als Odin/Wotan, seine Frau Frigg, Holda, Hulda, Berchta, die Bewahrerin des Schlüssels und deren gemeinsamer Sohn Aldrian/Baldur. Ich finde das ist schon eine ganz erkleckliche Anzahl der Personen der Sage.


Meine Mitarbeit beim Internet-Lexikon WIKIPEDIA führte dazu, dass ich in einer Reihe von Artikeln, zu den Stichwörtern Helden, Heldensagen, Dietrich von Bern, Hagen von Tronje, Samson, Simson, etc. einige Bemerkungen verfasst habe. WIKIPEDIA glaubt jetzt aber, dass diese Bemerkungen nicht seriös seien und hat dafür gesorgt, dass jemand, der nur unter Decknamen arbeitet und mir gegenüber nicht offen auftritt, meine Texte ‚strafft’ , was in dem Zusammenhang bedeutet, dass er diese löscht. Man kann natürlich nicht verlangen, dass jemand, der von sich behauptet er habe 36 Semester Germanistik auf dem Buckel, wenigstens ein Semester gesunden Menschenverstand belegt hat, aber in der Konsequenz konnte ich gerade noch meine Texte retten, weil viele Internetlexika sich von WIKIPEDIA inspirieren lassen. In der Folge werden meine Texte aus dem Zusammenhang der Seiten herausgenommen, für sich alleine hier aufgeführt.
Zum Stichwort Held:
Der Religionsphilosoph Hermann Usener dreht in seinem Buch "Götternamen" den Spieß um, indem er folgendes Postulat aufstellt: Ist die geschichtliche Realität eines Helden nicht glasklar bewiesen, so verbirgt sich dahinter immer ein Gott. Interessanterweise kommt Norbert Lönnendonker in seinem Buch "Als die Götter noch jung waren; Namenkundliche Untersuchungen zur Nibelungensage" zu dem gleichen Ergebnis - zumindest was die Helden Siegfried/Sigurd (Drachentöter), Hagen von Tronje (Högni in der Thidrekssaga)und Dietrich von Bern (Thidrek af Berne in der Thidrekssaga) betrifft.
Zum Stichwort Heldensage: Die Sagenhelden des Nibelungenliedes, der Thidrekssaga, der Waltharisage und der Kudrunsage werden in dieser Auffassung gleichgesetzt mit germanischen Göttern. Wie Norbert Lönnendonker in seinem Buch "Als die Götter noch jung waren - Namenkundliche Untersuchungen zur Nibelungensage", Berlin 2003 für die drei Helden Siegfried, Hagen von Tronje und Dietrich von Bern argumentiert hat. Im Falle der germanischen Götter kam als Komplikation hinzu, dass der Übergang von der mündlichen zur Schrifttradition in die Zeit der Christianisierung fiel. Die Bemühungen der ersten mönchischen Verschriftlicher gingen dahin, den Stoff der Sage zu erhalten, ohne den Göttercharakter der "Helden" erkennbar werden zu lassen, schon wegen des Verbotes der Kirchenväter, sich mit heidnischen Stoffen zu beschäftigen. Spuren des Göttercharakters der Helden sei deren in unterschiedlichem Ausmaß erkennbare Verteufelung. Die Existenz der alten Götter wurde von der Kirche nicht bestritten, aber sie selbst wurden zu Teufeln herabgewürdigt, wie Gustav Roskoff in seinem Buch ?Die Geschichte des Teufels - Eine kulturhistorische Satanologie von den Anfängen bis ins 18. Jahrhundert? deutlich gezeigt hat.
Zum Stichwort Hagen:
Abweichende Interpretation
Im völligen Gegensatz zu der von Richard Wagner geprägten Interpretation der Figur des germanischen Gottes Wotan steht die von Norbert Lönnendonker in dessen Buch "Als die Götter noch jung waren – Namenkundliche Untersuchungen zur Nibelungensage", Rhombos, Berlin 2003 festgestellte Identität des Högni der Thidrekssaga (des Hagen des Nibelungenliedes) mit Wotan. Außer einer Unzahl von Attributen führt folgende in der Thidrekssaga enthaltene Geschichte auf die Spur Högnis ( Hagens): In der Thidrekssaga kämpft Högni den letzten entscheidenden Kampf mit Thidrek af Berne ( Dietrich von Bern des Nibelungenliedes) und unterliegt. Er fühlt, dass er so schwer verwundet ist, dass er die Wunden nicht überleben wird. Dessen eingedenk bittet er seinen Gegner im letzten Kampf um die Gunst, die Nacht mit einer Frau zu verbringen. In der Tat führt ihm Thidrek (Dietrich) auch eine Frau zu, die in der Ths. namenlos bleibt. Nachdem er die Nacht mit ihr verbracht hat, gibt Högni der Frau einen Schlüssel und zwar den Schlüssel zu „Siegfrieds (Schatz)keller“ und den Rat, ihrer beider in der Nacht gezeugten Sohn nach dessen Geburt ALDRIAN zu nennen. Bis hierher scheint die Geschichte einfach und klar. Komplizierter wird es, wenn man drei Namen mit dem Anfangsbuchstaben B aus Förstemanns Lexikon germanischer Personennamen in die Betrachtungen mit einbezieht. An beschriebener Stelle finden sich BALDRADA, BALDROH und BALDRAND, und unwillkürlich ergänzt man - eingedenk des Namens ALDRIAN - diesen zu BALDRIAN. Dieser Name des beruhigenden Krautes soll nun vom Namen des germanischen Gottes BALDUR/PALTHAR hergeleitet sein. Durch zunächst willkürliche Streichung des B hat der Verfasser (oder einer der Verfasser) der Ths. also aus dem Namen eines germanischen Gottes (bzw. einer dichterischen Abwandlung des Namens) einen harmlos erscheinenden aber wohlklingenden Namen nämlich ALDRIAN gemacht. Dass ein solcher Vorgang nicht auf Zufall beruhte, sondern mit voller Absicht durchgeführt wurde, kann man an folgenden Ergänzungen erkennen. Der Verfasser der Handschrift C des Nibelungenliedes ändert nämlich den Namen ALDRIAN weiter, während die Verfasser der Handschriften A und B den Namen unverändert lassen. Es darf nicht wirklich überraschen, dass der Verfasser von Handschrift C einen weiteren Buchstaben – und zwar das L – weglässt. Dadurch wird aus BALDUR (bzw. seiner dichterischen Variante BALDRIAN) im Endeffekt der völlig unverdächtige Name ADRIAN. Dem Namen konnte man in der Tat nicht mehr ansehen, dass er vom Namen eines germanischen Gottes hergeleitet war, und es bestand nicht die Gefahr, dass ein Leser die Ähnlichkeit bemerkte. Ohne die in der Ths. und in den Handschriften A und B des Nl. erhalten gebliebenen Zwischenstufe ALDRIAN wäre die wahre Identität Högnis/Hagens mit Wotan vielleicht für immer verborgen geblieben.
Die namenlose Frau der Thidrekssaga ist natürlich die Mutter Baldurs, die zunächst namenlose Muttergöttin der indoeuropäischen Sage, die Schlüsselbewahrerin; diese ist trotz der Ähnlichkeit der Namen nicht mit Freya identisch.
Zum Stichwort Siegfried Drachentöter:
Der völlig andere Siegfried

Es ist oft behauptet worden, dass die Figur Siegfrieds bis in mythische Vorzeit zurück reichen soll. Schon im Jahre 1843 hatte Müller (Wilhelm Müller, Zeitschrift für deutsches Altertum, 3, 1843, S. 43 – 53) anhand dreier Sagen, die er bei Saxo in der „gesta danorum“ gefunden hatte, eine Identität von Siegfried mit dem nordischen Freyr postuliert. Norbert Lönnendonker hat nun in seinem Buch „Als die Götter noch jung waren – Namenkundliche Untersuchungen zur Nibelungensage“ (Berlin, 2003) postuliert, dass die an fünf Stellen der nordischen Thidrekssaga, die aber auf deutschen Quellen beruht, abweichenden Namenformen (Siggfrodr) [die Zeichen können hier nicht richtig wiedergegeben werden] die These Müllers stützen. Wenn das so ist, dann ist „Siegfried“ der alte germanische Fruchtbarkeitsgott Frô.
Seine Haut muss bemerkenswert gewesen sein, denn er wird noch im Nibelungenlied (C) als von „vester hute“ geschildert. Norbert Lönnendonker führt die Besonderheiten der Haut, die nach Nibelungenlied und Thidrekssaga auf ein Bad im Blute des Drachen weisen sollen, auf die erbliche Krankheit „X-chromosomal rezessive Ichthyose“ zurück. Ähnlich war schon Ritter in seinem Buch „Siegfried ohne Tarnkappe“ verfahren. Was Norbert Lönnendonker zusätzlich postuliert, ist, dass diese Erbkrankheit der eigentliche Grund für die Abneigung der germanischen Götterfamilie der Asen gegen die Geschwisterehe war. Die Erbkrankheit weist den gleichen Erbgang auf wie die bekannte Bluterkrankheit und heutzutage leidet etwa einer von 6000 Männern an ihr. Da ohne Ehe zwischen nahen Verwandten keine Frauen nach außen Anzeichen der Krankheit zeigen können – Frauen können die Krankheit lediglich übertragen und werden, falls sie die Anlagen an ihre Nachkommen weitergeben können, Konduktorinnen genannt – könnte die Abneigung der Asen in der Tat hierauf beruhen.

Bezüge zwischen Siegfried und den Merowingern beruhen nach Ansicht von Norbert Lönnendonker nicht auf verwandtschaftlichen Bezügen sondern auf der Tatsache, dass manche Merowinger ebenfalls an dieser (oder einer ähnlichen) Erbkrankheit litten. Die Merowinger führten ihr Geschlecht auf „göttliche Abkunft“ zurück und hatten hinsichtlich ihres Aussehens
di helde von meres;
vil gewis sît ir des,
daz niht kuoners mac sîn:
an dem rucke tragent si borsten sam swîn.
(Jakob Grimm, DEUTSCHE MYTHOLOGIE, I. Band, Seite 324)
eine ganz ähnlich phantasievolle Geschichte parat: „als clodio Faramunds sohn mit der königin am gestade saß, sich von der sommerschwüle zu kühlen, stieg ein ungeheuer (meerschwein?) aus den wogen, ergrif und überwältigte die badende königin. sie gebar darauf einen sohn, seltsames ansehens, weshalb er Merovig und seine nachkommen, auf die das kennzeichen über gieng, die Merovinge heißen“. Klingt nicht diese Version wie eine Äußerung für den Staatsrat, während die Version Siegfrieds wie für die Frauen seiner Umgebung gemacht ist?

Beispieldialog: „Sag mal Siggi, was hast Du denn für eine sonderbare Haut?“
Antwort Siegfried: „Ja, Du musst wissen, dass ich mir die Haut durch ein Bad im Blut eines Drachen erworben habe!“
Im Falle Siegfried weicht die Drachentötersage erheblich von der sonst in der Indogermania üblichen Form ab. Apollon tötet den Drachen Python aber von einer besonderen Haut Apollons ist nirgendwo die Rede. Schon Jakob Grimm bringt die Besonderheit der Haut mit dem Eberkultus des germanischen Gottes Frô in Verbindung, Norbert Lönnendonker geht noch weiter und postuliert, dass die Namensform „Siggfrodr“ sogar direkt auf den Eberkult Bezug nimmt und etwa „borstig durch [die Gnade des Gottes] Frô“ bedeuten könne.

Es ist uns nicht mehr bewusst, aber der Name Siegfried, wie er uns überliefert ist, stände in der ganzen Indogermania einzig da. Eine – grammatikalisch gesehen – Aufzählung ist dort nie zur Grundlage eines Namens gemacht worden. Schmidt, K.H., Die Komposition in gallischen Personenamen, Tübingen 1957, äußert selbst im Falle des Namens „Siegfried“ mit deutlich erkennbaren ‘semantischen Bauchschmerzen’: „Vielleicht ist es ein Segenswunsch, Sieg und Frieden“. Man muss befürchten, dass die falsche Interpretation des Namens das ist, was den Germanenverehrern aller Zeiten so gut an dem Namen gefallen hat. Man konnte so schön von Siegen träumen, denen ein naturgesetzlicher Frieden der Starken folgte und das mit verhängnisvollem Ergebnis, wie wir gesehen haben.

Was den Ort Xanten als Ort der Sage betrifft, so ist Norbert Lönnendonker der Auffassung, dass das „Santen“ des Nibelungenliedes nicht am Niederrhein gelegen zu haben braucht, denn im Nibelungenliede äußert Gunther die Befürchtung, dass es für seine Schwester „eine zu weite Reise“ sei, wenn sie dir Brüder in Worms besucht. Von Xanten nach Worms kann eigentlich niemals „eine zu weite Reise“ gewesen sein. Norbert Lönnendonker führt Beispiele an, wie aus anderen Grundwörtern (Beispiel: -tun, ahd. Zaun) ein Santun, Santana, Santen entstanden sein könnte, was auch nicht am Niederrhein zu liegen braucht und zu dem es tatsächlich „eine zu weite Reise“ gewesen sein könnte. (Wegen der unmittelbaren Nachbarschaft zu hypothetischen Heiligtümern der Göttin Hludana [gefunden wurden nur die Weihesteine im römisch beherrschten Germanien] könnte auch „Siegfrieds“ Anwesenheit in Xanten und bei den Nibelungen in Vernica [Virnich] oder Wermintza [Firmenich] ihre Erklärung gefunden haben).

Etymologie ‚von Tronje’:
Es existiert aber auch eine andere Möglichkeit. In der Vergangenheit ist mehrfach das ''Tronje'' des Nibelungenliedes mit einem realen Ortsnamen gleichgesetzt worden, aber bis jetzt mit wenig befriedigenden Ergebnissen. Eine interessante Variante ergibt sich, wenn man die unterschiedlichen Schreibweisen in den drei Haupthandschriften des Nibelungenliedes vergleicht:
Während Handschrift A die Schreibweisen ''Tronyn'', ''Tronie'' und ''Trony'' hat (unter Auswertung der fünf ersten Nennungen), haben B und C (wiederum bei den ersten fünf Nennungen) nur ''Tronege''. Wenn man z.B. Tronie und Tronje gegenüberstellt, bemerkt man, dass nur ein einziger Buchstabe ausgetauscht worden ist und dazu noch einer, dessen wechselseitiger Austausch nichts Ungewöhnliches war. Das wirkt auf den unvoreingenommenen Beobachter, als ob die Unterschiede der Ortsnamen - wenn es denn Ortsnamen sind - durch sprachliche Unterschiede bedingt seien. Es existiert nun ein Ortsname, der in seiner [[Kelten|keltischen]] Form Truncinas hieß und der im Laufe der Jahrhunderte folgende („romanischen“) Schreibweisen aufwies: Truncinas (820 - 822), Truncinis (1040) und Troncinium (1198). Sein heutiger französischer Name ist Tronchiennes. Wenn man den letzten Namen französisch ausspricht, so hat man fast den Namen ''Tronje''. Dass der Name in der Folge, bedingt durch den beliebten trojanischen Abstammungsmythos, mit ''Troja'' verwechselt worden ist, nimmt nicht wunder.

Achtung: Meine Auffassung, dass Sveinn etwas mit dem Wort für 'Schwein' zu tun haben könnte, ziehe ich nach Kontakten mit Herr Den Besten (Niederlande) zurück. Die Etymologie ist zwar verführerisch aber dennoch falsch. Wenn es sich nicht um eine volksetymologische Übertragung handelt, ist meine Position nicht haltbar. Die Nachricht in nächsten Zeilen ist also unrichtig:
Walther von Aquitanien:
Parallelen zur nordischen Sagenwelt
Schon Jacob Grimm war aufgefallen (Deutsche Mythologie, 1835, Bd. I, S. 309 ff.), dass der Verlust der rechten Hand Walthers seine Entsprechung in der nordischen Sage um den Fenris-Wolf findet.
Die Asen versuchen den Fenris-Wolf zu fesseln. Dieser will sich nicht fesseln lassen und verhandelt. Er verlangt ein Pfand, für den Fall dass die Asen ihn, trotz ihres gegebenen Wortes, gebunden lassen würden. Tyr, der alte Schwertgott, legt seine Hand in den Rachen des Fenris-Wolfes; als die Asen tatsächlich ihr Wort brechen und die Fesseln nicht wieder lösen, muss Tyr seine Hand im Rachen des Wolfes lassen.
Wenn man sich den Namen Walthers vornimmt, so ist dieser eigentlich walt harja, was man in etwa mit "des Heeres waltend", "für das Heer verantwortlich" übersetzen könnte. Wer anders als der alte germanische Schwertgott könnte "für das Heer verantwortlich" sein.
Man muss zugeben, dass diese alte Beziehung noch viel tiefer verschüttet ist, als die, die Norbert Lönnendonker 2003 in seinem Buch Als die Götter noch jung waren - Namenkundliche Untersuchungen zur Nibelungensage im Falle der "Helden" Siegfried, Hagen und Dietrich von Bern bereits aufgedeckt hat.
Wer weiß. Wäre uns die Walthari-Sage in einem deutschen Dialekt überliefert, dürften wir vielleicht auf reichhaltigere Reste stoßen. Es existieren aber auch mittelhochdeutsche und frühneuhochdeutsche Fragmente der Walthari-Sage, die auf diese Zusammenhänge einmal untersucht werden müssten.
Der Samson der Heldensage:
In der nordischen Thidrekssaga, die aber nach eigenen Angaben auf deutsche Quellen zurückgehen soll, wird ein Held Samson genannt. Als Held ist er einem Raubritter
nicht unähnlich, der mittels Brautraub zu einer Frau kommt. Er erschlägt Scharen anderer Ritter, die ihn wegen des Brautraubes und weil er den Ritter Brunstein erschlagen hat, verfolgen. Er ist im besonderen der Großvater Thidreks af Berne (dem Dietrich von Bern der deutschen Heldensage).
Der Name könnte vom keltischen Namen Samo-gnatus abstammen, was soviel wie "im Sommer gezeugt" heißt. Verführerisch sind auch die ähnlich klingenden Ortsnamen auf dem Boden des heutigen Frankreich.

Aller Wahrscheinlichkeit nach ist der Name jedoch ein dichterisch, konspirativ abgewandelter Name, der die wahre Identität "Samsons" verdecken soll. Wie Norbert Lönnendonker in seinem Buch "Als die Götter noch jung waren - Namenkundliche Untersuchungen zur Nibelungensage", Rhombos, Berlin 2003, ISBN 3-930894-92-0 gezeigt hat, verbirgt sich hinter dem Namen die Absicht des Verfassers der Thidrekssaga oder deren Vorläufersage, die Identität des "Ritters Samson" zu verschleiern. Man muss immer in Betracht ziehen, dass im Mittelalter die Beschäftigung mit heidnischen Sagen - und in Deutschland und Skandinavien natürlich auch mit den Sagen der heidnischen germanischen Vorfahren - von der Kirche verboten und damit für die, die es dennoch taten, gefährlich war. Der Verfasser hatte nur die Wahl, den attraktiven Stoff nicht niederzuschreiben, oder die Namen so zu verändern, dass niemand damals so ohne weitere Kenntnisse dem Stoff seine heidnische Herkunft ansehen konnte.

Hätte der Verfasser den "Helden" stattdessen Herkules genannt, so wäre innerhalb der kirchlichen und adeligen Kreise, zu deren Lesevergnügen die Texte niedergeschrieben wurden, vielleicht doch jemand auf den Gedanken gekommen, dass Herakles in der griechischen Sage der Halbgott ist, der durch seine schiere Kraft wirkt und allein durch die Kraft Wundertaten vollbringt. Jetzt gab es für den Verfasser den glücklichen Umstand, dass auch in der Bibel, der man heidnischen Ursprung nun wirklich nicht nachsagen konnte sich ein "Held" findet, der vornehmlich durch seine Kraft wirkt. Zur Zeit des Verfassers gab es nur noch wenige, die wussten, dass auch in der germanischen Göttersage ein Gott existierte, der nur durch seine Kraft wirkte - und dieser Gott war Thor/Donar.

Samson ist also als Thor/Donar gedacht, vielleicht eher noch als Donar, weil Thor schon zu sehr nordischer Gott war.
Sagen über Thor kennen wir aus der nordischen Göttersage und der Edda. Vielleicht ist uns mit der Sage vom Ritter Samson Kunde vom älteren Donar geblieben.
Neuigkeiten: The well known teacher for 'celtic archeology' Raimund Karl - Prof. at the university of Vienna, in 2005 published an article named: "Warum nennen wir ihn nicht einfach Dietrich" (in: Interpretierte Eisenzeiten, ISBN 3-85474-137-5, S. 191 f.), mentioning a 'celtic (?)' god named "Apollo toutiorix" (Wiesbaden-Schuetzenhof) and is postulizing the divinisation of the leader of a socalled 'theuta', which makes Loennendonker's results more plausible.
28.09.2008

Dr. N. Lönnendonker

Mein Buch ist vollendet! Es wird auf jeden Fall erscheinen. Der Titel wird lauten: "Who the hell is Attila?"- Namenkundliche Untersuchungen zur Nibelungensage - Eine Entwicklungsgeschichte der germanischen Religion.

Norbert Lönnendonker


Bergneustadt, den 16. November 2010

Bezüge: Nibelungen, Niebelungen, Nibelungesage, Niebelungenlied, Niebelungensage, Thidrekssaga, Gudrunlied, Gudrun, Kudrunlied, Kudrun, Wieland der Schmied, Seeland, Seeburg, Seoburc, Königin Seburg, Dietrichsage, Hagen von Tronje, Jupiter veiovis, Jupiter vejovis, Zeus, Apollon, Dukus Horant, Sigfried, Thidrekssaga, Duchus Horant, Kudrunsage, Gudrunsage, Deutsche Sagen, Heldensagen, Hamletsage, Svipdag, Samson, Borgar, Hadding, Heimdal, Heimdali, Nibelungensage

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Abb. eines an Ichthyosis vulgaris Erkrankten
Abb. eines an Ichthyosis vulgaris Erkrankten
Germanische pl. Eberdarstellung (Keramikgefäß)
Germanische pl. Eberdarstellung (Keramikgefäß)
Eberfigur keltisch, Bronze, Helmaufsatz
Eberfigur keltisch, Bronze, Helmaufsatz
Keltischer Ebergott
Keltischer Ebergott
Eberplastik, Fundort i.d. Nähe v. Soest
Eberplastik, Fundort i.d. Nähe v. Soest
Keltische bronzene Eberplastik (Nähe von Orleans)
Keltische bronzene Eberplastik (Nähe von Orleans)
Kleine bronzene Freyr-Statue (nordisch)
Kleine bronzene Freyr-Statue (nordisch)
Toxine des Fliegenpilzes
Toxine des Fliegenpilzes
Rituelle Eberjagd; keltoiberisch
Rituelle Eberjagd; keltoiberisch
der "Adonis von Zschernitz" (Sachsen-Anhalt)
der "Adonis von Zschernitz" (Sachsen-Anhalt)
weitere nordische Bronzeplastik (Freyr)
weitere nordische Bronzeplastik (Freyr)
Freyr (Bronzeplastik)
Freyr (Bronzeplastik)
Gr. Vasenbild, Hercules u. d. erymanthische Eber
Gr. Vasenbild, Hercules u. d. erymanthische Eber
Fliegenpilz, Rauschmittel d. vorzeitl. Germanen
Fliegenpilz, Rauschmittel d. vorzeitl. Germanen
Dr. Norbert Lönnendonker
Dr. Norbert Lönnendonker
Vishnu als Eber
Vishnu als Eber
Vishnus als Eber (weiteres Beispiel)
Vishnus als Eber (weiteres Beispiel)
kalydonischer Eber
kalydonischer Eber
Keltischer Helm (400 v. Chr.)
Keltischer Helm (400 v. Chr.)
Freyr-Figürchen (schwedisch, 11. Jh.)
Freyr-Figürchen (schwedisch, 11. Jh.)
 
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